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MÜNCHEN Seit Monaten
war klar: Die Rente mit
67 wird kommen, auf viele
Menschen wartet ein
zwei Jahre längeres Arbeiten.
Vergangene Woche
beschloss nun das
Bundeskabinett, dass die
Deutschen in Zukunft
länger arbeiten sollen.
Fr Malermeister Jürgen
Lang (66), Rechtsanwalt
Werner Kästle (71) und
Heizungsinstallateur
Werner Obermeier (66)
nichts Neues: Fr sie war
mit 65, das bisherige
Renteneintrittsalter fr
Pflichtversicherte, noch
nicht Schluss. Als Selbstständige
waren sie ihr eigener
Herr und konnten
selbst bestimmen. Und
sie entschieden sich frs
weiterarbeiten.
Die drei machen vor, dass
man auch noch im höheren
Alter in der Lage ist,
anzupacken, Leistung zu
bringen. Ihr Erfolgsrezept
fr das Arbeiten jenseits
der 65: Gegebenenfalls
etwas kürzer treten
und vor allem nicht Spaß
und Freude an der Arbeit
verlieren. Michael Stark
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Wenn ich in der Firma störe, ist Schluss«
„Es freut mich, zu sehen, dass es
mit dem Betrieb in der dritten
Generation weitergeht“, sagt
Malermeister Jürgen Lang. Der
66-Jährige fühlt sich sichtlich
wohl, seitdem er die Mehrheit
„seines“ Betriebes an den eigenen
Sohn übergeben hat. „Der
hat jetzt seit drei Jahren in allen
Belangen das letzte Wort“, erzählt
Lang. Das müsse auch so
sein. Die Kunden und die 50 Angestellten
bräuchten einen klaren
Ansprechpartner. Außerdem
sei der Sohn kompetent.
Damit ist jedoch noch lange
nicht gesagt, dass sich der Senior
aufs Altenteil begibt. „Ich bin
noch viel zu fit, um nur noch im
Wald spazieren zu gehen oder
meine Zeit mit einem Stadtbummel
zu verbringen.“ Bis zu fünf
Stunden am Tag sitzt er deswegen
zumeist am Schreibtisch und
erledigt Büroarbeit. Es sei ein
tolles Gefühl, jetzt stressfreier
arbeiten zu können. „Wenn ich
jedoch merke, dass ich in der Firma
störe, dann ist spätestens
Schluss.“
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Installateur aus Überzeugung
1964 hat sich Werner
Obermeier (66) als Heizungsinstallateur
selbsständig
gemacht. Im Jahre
2006 arbeiten im Betrieb
nun 20 Mitarbeiter.
Einer von ihnen ist Obermeier
mittlerweile selbst
– denn die Geschäftsführung
hat der Münchner
abgegeben. „An einen langjährigen
fleißigen Mitarbeiter“, wie er sagt. Der Generationenübergang
habe geklappt, „Sorgen
muss ich mir keine machen“.
Am Ball ist Obermeier jedoch immer noch.
Hauptaufgabe ist Beratung und Akquise. Zum
Teil fahre er aber auch noch selbst zum Kunden
und lege Hand an. „Es gibt kaum eine
größere Freude, als vor Ort zu helfen“, sagt
er. Vor allem nachts, wenn Familien im Kalten
säßen, sei es wunderbar gebraucht zu
werden. „Meistens sind die Leute dann auch
dankbar“, meint er schmunzelnd. Obermeier
schätzt an seinem Beruf vor allem die enge
Verbindung von Leistung und Ergebnis: „Am
Ende des Tages sehe ich, was ich erreicht habe.“
Und derzeit macht ihm die Arbeit besonders
viel Freude. „Denn wenn die Verantwortung
weg ist, geht alles ein wenig einfacher.“
Der Einsatz sei aber natürlich trotzdem noch
da, versichert der Handwerksmeister, der
auch heute noch ab und zu 12 Stunden am
Tag arbeitet. Und wenn die Gesundheit es
zulässt, will er noch mindestens zwei weitere
Jahre Leistung bringen.
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Anwaltsalltag – ohne Stress
Er habe immer Anwalt
werden wollen, um im direkten
Kontakt mit Menschen
zu sein, sagt Werner
Kästle. Der 71-Jährige
Advokat sieht sich als deren
Dienstleister. „Früher
habe ich zehn Jahre im
Strafrecht gearbeitet“,
berichtet er, doch da sei
ihm dieser Aspekt zu kurz gekommen. Deshalb
hat er sich dem Zivilrecht verschrieben
und arbeitet seit Jahrzehnten vor allem im
Bau- und Erbrecht. Dort sei jeder Fall anders,
es sei immer wieder spannend. So spannend,
dass er sich mit einem Alter von über 70 Jahren
immer noch in die Akten vertieft.
Doch auch wenn man große Freude bei der
Arbeit hat, quasi „das Hobby zum Beruf machen
kann“, wie Kästle sagt, kommt irgendwann
das Ende der beruflichen Karriere. Er
versucht nicht mehr, neue Mandanten zu gewinnen
– der Anwalt plant seinen Ausstieg
aus dem Erwerbsleben im Juni 2007. „Dann
bleibt mehr Zeit für Ehefrau und Enkel.“ Bis
dahin wird er erst gegen 9.30 Uhr in die
Kanzlei kommen und gehen wann er möchte
– mal um Vier, mal um Acht. Das sei sein wirkliches
Privileg: Die Arbeitszeit stressfrei einteilen,
wie es ihm beliebt. „Ich leiste mir zu
gehen, wann ich Lust habe.“ Sorgen machen
müssen sich seine Mandanten jedoch bestimmt
nicht. Einsatz und Motivation ist da.
„Im übrigen konnte ich mir noch nie so viel
Zeit für einen Fall nehmen wie jetzt.“
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